Aufgestockter Strickbau aus dem frühen 18. Jh.
Segnas GR

Der stattliche, ca. 300 jährige Strickbau mit traditionellem Walser Grundriss liegt im kleinen Ort Segnas oberhalb Disentis im Bündner Oberland. Die ausgezeichnete Lage auf einem fruchtbaren, nach südosten orientierten Schuttkegel am Ausgang des Val Segnes bescherte dem kleinen Dorf seit seiner ersten schriftlichen Erwähnung im 8. Jahrhundert grossen Wohlstand.
Die im Jahre 1799 unter Napoleon Bonaparte über den Oberalppass einfallenden Franzosen verschonten das Bauerndorf und konzentrierten sich auf die Plünderung des von weitem sichtbaren Kloster Disentis. So zeugen noch heute mehrere gut erhaltene hölzerne Wohnbauten im Dorfkern von Segnas von der damaligen Baukultur und Besitzverhältnissen. Segnas ist Teil des Inventar schützenswerter Ortsbilder der Schweiz (ISOS).
Das Stammhaus der Familie Sialm, die heute eine Fleischtrocknerei im Ort betreibt, wurde wahrscheinlich 1706 als zweistöckiger Strickbau mit quer zum First verlaufendem Gang und gemauertem Küchentrakt erbaut. Nachdem zwei der Bewohner 1799 im Partisanenkampf gegen die Franzosen ihr Leben verloren, wechselte das Haus für 100 Jahre in den Besitz der Familie Hosang bevor es 1901 von den Stiefenhofers, einer aus dem Allgäu emmigrierten Zimmermannsfamilie übernommen wurde, die das Gebäude 1917 wegen Kindersegen um ein Stockwerk erweitern.
2015 wurde es an die heutigen Besitzer verkauft und darauffolgend umfassend renoviert.

Das Konzept des Umbaus basiert auf einer möglichst sanften und etapierten energetischen Sanierung des Gebäudes.
Neu wird mit Erdwärme geheitzt, wegen der schieren Grösse des Gebäudes wurde der Ausbau des 2. Obergeschosses jedoch lediglich vorbereitet um zu einem späteren Zeitpunkt zur Ausführung kommen zu können. Die restlichen Böden, Decken und Aussenwände wurden mit Holzwolle resp. Zellulosefasern gedämmt und ausgeblasen.
Das in den siebziger Jahren geänderte Raumgefüge im Erdgeschoss wurde belassen, die zur selben Zeit erneuerte Nasszelle und die Küche jedoch komplett rückgebaut, da dort auch strukturelle Eingriffe vonnöten waren.
Dem Wunsch der Bauherrschaft nach einer Nasszelle im 1.Obergeschoss wurde im komplett sanierten nordseitigen Anbau entsprochen.
Das Verwenden einer Schindelung als Wasserdichtigkeitsschicht in der Dusche/ WC verweist auf den ehemalig Aussenraum der Abortanlage
und trägt dem Charakter der hölzernen Obergeschosse Rechnung.
In den hangseitigen Räumen im Erdgeschoss kam eigens angefertigter Beton und Kalkverputz zum Einsatz, gemischt aus Sand und Kies aus dem Neat Tunnelbau des Sedruner Portals.
Die gegenüberliegenden Stuben wurden neu gestrichen und die beiden Tavetscher Öfen saniert.


Handwerkliche Besonderheit

Die Schindeldusche. Konzeption, Planung und Ausführung einer Nasszelle mit Lärchenschindeln als Wasserdichtigkeitsschicht im Innenraum.
Handgespaltene Schindeln des Schindelmachers Patrik Staeger aus Untervaz

und eine von der Spenglerei Torri in Andeer hergestellte Duschwanne aus Kupfer kamen zum Einsatz. Schindelarbeiten ausgeführt durch Salome Fravi.


Umbauprozess

Entwurf, Bauleitung, Schreiner- und Zimmermannsarbeiten, Schindelarbeiten, Kalkverputzarbeiten im Innern,  vorbereitende Baumeister-, Elektriker und Sanitärarbeiten.

Baujahr: 1706
Mitarbeit: Salome Fravi, Werner Schäublin, Charly Harzenmoser
Architektur: Salome Fravi und Stefan Höhn
Projektdauer: 2015-2016


Artikel zum Umbau

 

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