Zweiraumhaus in alpiner Mischbauweise aus 1695
Ergisch VS

Das mehr als 300jährige alpine Wohngebäude mit angebautem Stall liegt hoch über den Rebhängen des Rhonetals am Eingang des Turtmanntals im Walliser Bergdorf Ergisch. Das Zweiraumhaus wurde 1695 – Jodok Kaspar Stockalper, der „König vom Simplon“, war erst vier Jahre zuvor verstorben – vom Kastlan des Zenden Leuk, Anton Zen-Ruffinen, in inneralpiner Mischbauweise mit steinernem Küchenteil und einem Wohnteil aus Lärchenholz im typischen Walser-Grundriss erbaut. Mitten im Dorf gelegen, stand das kleinteilige Wohngebäude die letzten Jahre leer und befand sich in weiten Teilen noch in ursprünglichem Zustand. Bis anfangs des Jahres 2000 lebten hier die vormaligen Eigentümer als Selbstversorger und Kleinbauern mit offener Rauchküche, Naturboden und kaltem Wasser, einer ungetäferten Wohnstube und einer Aborteinrichtung im Aussenbereich. Auf Wunsch des Eigentümers wurde das Gebäude mit viel Rücksicht auf die historische Bausubstanz nur zurückhaltend renoviert, so dass die Spuren der Zeit auch nach dem Umbau noch ablesbar sind und der archaische Charakter des Hauses erhalten blieb.

Wo immer möglich wurde beim Umbau mit natürlichen Baumaterialien aus jener Zeit und der Umgebung wie Lärchenholz, Bruchstein, Kalk und Metall gearbeitet, mit dem Ziel, die Seele eines alpinen ländlichen Wohngebäudes aus dem 17. Jahrhundert zu erhalten. Die sanitären Einrichtungen und Elektroinstallationen wurden auf den neuesten Stand gebracht. Eine neue Küchenzeile mit Lärchenholz und Betonabdeckung fügt sich heute harmonisch in die bestehende Bausubstanz ein. Fenster und Türen wurden restauriert und neu gerichtet. Das wärmetechnische Konzept wurde nur leicht angepasst. Ein zusätzlicher Stahlofen zum bestehenden restaurierten Giltsteinofen und gedämmte Flächen im Dachbereich und an den Wänden im Schlafbereich sollen das Haus auch im Winter bewohnbar machen, ohne dass grössere bauliche Eingriffe, die den Charakter des Hauses verändert hätten, notwendig geworden wären.


Handwerkliche Besonderheit

Verputz der Hausfassade nach alter Technik mit Kalk: Von der Beschaffung des Stückkalks in Netstal, dem Einschichten von Sand, Kies und Kalk, über das Löschen des Kalks, dem Anwerfen des Mörtels mit der Kelle,

der Glättung der Oberfläche mit der Taloche zur Bearbeitung der Kalkoberfläche mit einem nassen Schwamm führte ich sämtliche Arbeitsschritte durch.


Umbauprozess

Bauleitung, Schreiner- und Zimmermannsarbeiten, Verputzarbeiten nach alter Technik mit Kalk, Arbeiten mit Beton (Abdeckung Küchenzeile, Fussboden), Steinarbeiten, vorbereitende Baumeister-, Elektriker und Sanitärarbeiten, Restaurierungsarbeiten (Fenster, Eingangstüre)

Baujahr: 1695
Mitarbeit: Charly Harzenmoser, Matthijs Van Daal, Salome Fravi, Werner Schäublin
Architektur: plan b architekten, Zürich
Projektdauer: 2014-2015

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