Firstständiger Strickbau mit Walser-Grundriss
Danis GR

Der Strickbau aus 1749 wurde für eine Bauernfamilie mit Grosseltern und Gesinde erbaut. Heute liegt das Wohnhaus auf Gebiet der Gemeinde Brigels. Die Fraktion „Danis“ (fruchtbare Weide) ist als kompaktes Bauerndorf auf der linken Talseite des Vorderrheins entstanden. Mit der Eisenbahn hat sich das rechtsufrige Tavanasa als Handwerkerzentrum in Form eines Strassendorfes entwickelt. Wohl in dieser Zeit war in der heutigen Küche eine Webstube eingerichtet worden. Ungewöhnlich für ein Walserhaus aus dieser Zeit, befinden sich im firstständigen Doppelhaus Küchen und Bäder im hölzernen Strickteil. Dieser ruht auf einem verputzten Bruchsteinmauersockel, in dem die Kellerräume untergebracht sind. Das Haus wird nach denkmalpflegerischen Grundsätzen renoviert. Abgesehen von den Nasszellen und den Küchen wurden alle Innenoberflächen original belassen oder auf den Zustand vor 1928 zurückgebaut. Die für den Umbau verwendeten Materialien beschränken sich auf Holz und Stein – erweitert um Beton – und sind der damaligen Bausubstanz in der Materialstärke und Qualität mindestens ebenbürtig. So wurden beispielsweise sämtliche Türen im Erdgeschoss durch Massivholztüren aus dem Brockenhaus aus dieser Zeit ersetzt. Für die zu ersetzenden Böden in Stube, Küche und Bad wurden 30-40 cm breite Bretter aus massivem Lärchenholz verbaut. Die konisch besäumten Bodenbretter wurden nach alter Handwerkstechnik gegenläufig verlegt.

Als weiteres Element des Umbaus sah das Heizkonzept eine Unterteilung des Wohnhauses in Sommer und Winterräume vor. Nur der Estrichboden und die Kellerdecken wurden gedämmt, Aussenwände blieben innen wie aussen im Originalzustand. Im Winter werden nur die Räume im unteren Hausteil mit den neuen Specksteinöfen beheizt und bewohnt. Das grosszügige Raumprogramm ermöglichte zusammen mit dem Entscheid, die Zweiteilung des Hauses aufzuheben, verschiedene Rückbauten und Einsparungen. Erhebliche Einsparungen gegenüber einer Variante „renoviertes Doppelhaus“ ergaben sich durch die Beschränkung auf eine Küche, ein WC und ein Bad sowie durch Verzicht auf eine neue (doppelte) interne Erschliessung. Zudem konnte auf nachträglichen hausinternen Schallschutz verzichtet werden; alle noch vorhandenen alten Böden sind intakt und auf ihrer Unterseite von später eingezogenen Decken befreit worden.


Handwerkliche Besonderheit

Küchenzeile in Ortbeton: Der Sockel und die Abdeckung der neuen raumdurchspannenden Küchenzeile sind aus eingefärbtem Ortbeton gegossen. Die Verwandtschaft zum traditionellen Schüttstein liegt auf der Hand, mit der in langen Versuchsreihen ermittelten Pigmentierung wurde eine optische Annäherung an den neuen Specksteinofen erreicht. Die technische Herausforderung bestand einerseits im schalen und armieren des komplexen Betonkörpers mit Doppelspühlbecken, eingelassener Abtropffläche, Herd und Dreifachbatterie.

Durch das stattliches Eigengewicht von fast 700kg wurde andererseits das Wenden nach dem Guss eine Kraft- und Nervenprüfung, da das Risiko der Beschädigung durch Verdrehen bestand. Dies wurde jedoch durch die Zuhilfenahme von sechs Mann verhindert. Nach erfolgreichem Einbau wurde die Oberfläche mehrere Male durch die Hand des stolzen Bauherren geölt.


Umbauprozess

Bauleitung, Schreiner- und Zimmermannsarbeiten, Verputzarbeiten nach alter Technik mit Kalk, Arbeiten mit Beton (Abdeckung Küchenzeile, Fussboden), Steinarbeiten, vorbereitende Baumeister-, Elektriker und Sanitärarbeiten, Restaurierungsarbeiten (Fenster, Eingangstüre)

Baujahr: 1749
Mitarbeit: Matthjs Van Daal, Olli Lukkari, Werner Schäublin, Simon Heusser
Architektur: Michael Hemmi, Haldenstein
Projektdauer: 2014-2015

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