Luftkalkverputze

Der gebrannte Kalk gehört zu den ältesten Baustoffen überhaupt. Kalkstein als Ausgangsmaterial findet sich beinahe überall in unserem Kulturkreis. Dementsprechend scheint das Repertoire historischer Verputztechniken und Putzoberflächen schier unerschöpflich. Zusammen mit Sand und Kies unterschiedlicher Körnung wird der gebrannte und gelöschte Kalk unter Zugabe von Wasser zu Mörtel vermengt. Dieser wird anschliessend mit den verschiedensten Werkzeugen und Techniken auf die Wand aufgebracht, eventuell nachgeformt und bindet unter Aufnahme von CO2 aus der Luft langsam ab. Je nach Beschaffenheit des Untergrundes werden unterschiedlich viele Putzschichten aufgetragen, wobei die Spuren des Handwerkers und seiner Werkzeuge auch nach Jahrzehnten noch ablesbar bleiben.

Baustellenmischungen mit selbstgelöschtem Stückkalk verlangen vom Handwerker viel Fachwissen und Erfahrung. Nicht zuletzt braucht ein solcher Arbeitsprozess ausreichend Vorlaufzeit und beginnt normalerweise mit der Beschaffung der geeigneten Sande aus lokalen Kieswerken. Geeignete klimatische Bedingungen spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle für das Gelingen des Verputzes. Unter Anleitung von ausgewiesenen Kalkspezialisten wie Ruedi Krebs und Beni Nydegger habe ich mir diese Techniken in den letzten Jahren sukzessive angeeignet und bei den Projekten in Danis und Ergisch die ersten Fassaden und Innenwände mit Kalk nach alter Technik verputzt. Die unregelmässige Oberfläche des Kalkputzes verleiht der Fassade durch ein Licht- und Schattenspiel eine optische Tiefe und eine äusserst lebendige Erscheinung.


Luftkalkworkshop mit Willy Jossen


Kalkfeinputzseminar mit Rolf Heusser und Armin Siedler in Roveredo


Kalkterrazzokurs mit Stefan Enzinger in Cavigliano

Unter der sehr kompetenten Leitung von Stefan Enzinger, Restaurator und Kirchenmalers aus Salzburg konnten wir am 6./7. Oktober 2017 einen Kalkterrazzoboden in historischer Machart auf unserer Baustelle in Cavigliano erstellen. Dank der tatkräftigen Unterstützung Christian Büchels von Lanatherm konnte der Einbau im Rahmen eines zweitägigen Baustellenkurses mit Hilfe interessierter Handwerker/Innen aus der ganzen Schweiz erfolgen.

Behandelt wurde der zweischichtige Aufbau und dessen Rezeptierung, Einbautechniken und Oberflächenbehandlungen, Grundlagen der Kalkherstellung und Verarbeitung sowie eine Einführung ins Thema Pigmente. Ein kleiner Einblick in das Betätigungsfeld Stefan Enzinger und Christian Büchels rundeten den Anlass ab. Wir danken dein beiden Kursleitern und allen beteiligten HandwerkerInnen für zwei spannende und unvergessliche Tage und hoffen alle beim Fertigschliff des Bodens in einem Jahr wieder Begrüssen zu dürfen.


Ersatz Sockelputz, Eichholzer Haus Masein


Handwerk in der Denkmalpflege: Luftkalkkurs mit Ruedi Krebs

Der zwweitägige Kurs fand im Rahmen der Weiterbildung zum handwwerker in der Denkmalpflege unter der fachkundigen Leitung von Ruedi Krebs statt. Durch meine Schulkameraden aus der Maurer- und Gipsergruppe wurde ich als Holzbauer auf das Kursmodul, das sich ausschliesslich mit Luftkalken befasst aufmerksam gemacht und durfte mich anschliessend als Gasthörer einschleichen. So liess uns Ruedi während zwei Tagen an seinem über die letzten vierzig Jahren erworbenen immensen Fachwissen teilhaben,

führte uns zu den unterschiedlichsten laufenden und abgeschlossenen seiner Baustellen rund um den Bielerseee und zeigte uns die wichtigsten Grundtechniken im Umgang mit Luftkalk. Die Gruppe war sehr interessiert und es wurden viele Fachgespräche geführt, heikle Fragen diskutiert und Anregungen zu spezifischen Problemlösungen gegeben. Ein gelungener Kurs mit vielen wertvollen Erkenntnissen, die demnächst zur Umsetzung gelangen.